Die Zuordnung einzelner Fachgebiete (Zweige) zum Erwerbsgartenbau ist nicht ganz einheitlich. Wertet man die zu dieser Thematik vorliegende Literatur, dann ergibt sich unter dem Blickwinkel »Kleingarten « Folgendes:

 Die Fachgebiete Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenbau werden völlig übereinstimmend als dem Gartenbau zugehörende Zweige betrachtet.

Nicht ganz so eindeutig sind die Auffassungen im Bereich der Heil und Gewürzpflanzen. Zweifellos gehören diese zur Gruppe der Sonderkulturen. »Ob es sich hierbei um eine landwirtschaftliche oder gärtnerische Sonderkultur handelt, ist hauptsächlich abhängig von der arbeitswirtschaftlichen Intensitätsstufe der anzubauenden Pflanzenart. «4 (Da der Anbau dieser Pflanzen – ähnlich dem Gemüse – im Allgemeinen arbeits- und kapitalintensiv sei, würde er gern dem gärtnerischen Pflanzenbau zugeordnet.) Unter Berücksichtigung dieser Auffassung ist es richtig, die dazu zählenden Pflanzenarten im Kleingarten den Gartenbauerzeugnissen zu zuordnen und ergänzend dazu die Duft- und, im Sonderfall, Färbepflanzen hinzuzufügen.

Als Sonderfälle sind der Samenbau und die Baumschule zu werten. Kleingartentypisch sind diese Zweige nicht. Sofern jedoch Aktivitäten zur Samengewinnung und zur Anzucht von Gehölzen für die Eigenversorgung zum Hobby eines Kleingärtners gehören, dann zählt die dafür beanspruchte Fläche zweifelsfrei zur gärtnerischen Nutzung und zur Fruchtziehung.

Während die Kultur von Weinreben bedenkenlos dem Obstbau zuzuordnen ist, obwohl der erwerbsmäßige Weinbau als selbständiger Wirtschaftszweig gilt, zählen die Nussarten (Schalenobst) zwar eindeutig zum Obst, sind jedoch im Kleingarten wegen ihrer Großwüchsigkeit unerwünscht.


Zum Arten- und Flächenverhältnis

Es ist, wie oben dargestellt, zu einseitig, wenn die allseits propagierte Artenvielfalt im Kleingarten lediglich auf das zweifellos breite Spektrum der verfügbaren Obst- und Gemüsearten eingegrenzt wird. Derartige Nutzungsvorstellungen sind überholt und entsprechen nicht Buchstaben und Geist des BKleingG. Mainczyk lässt aus rechtlicher Sicht an diesem Sachverhalt keinen Zweifel.5

Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist vielmehr eine Erweiterung der zulässigen Grenzen angezeigt. Es würde an dieser Stelle zuweit führen, diese Arten einzeln aufzuführen. Jedoch soll daraufverwiesen werden, dass im Standardwerk »Der Biogarten« allein 306 Pflanzenarten für den Anbau empfohlen werden. Diese möglicheVielfalt empfehlenswerter Kulturpflanzen nach dem Vorbild des früheren Bauerngartens in Mischkultur angebaut, naturnah, ökologisch oder biologisch betrieben, das ist vielmehr das Leitbild des Kleingartens in Gegenwart und Zukunft.

 

Der Artenreichtum kann nicht groß genug sein, da er Grundlage einer entsprechenden Fauna ist und damit die Kleingartenanlagen ihre anerkannt ökologische Funktion erst voll entfalten können.6

Ein wesentliches Merkmal der nichterwerbsmäßigen Nutzung ist die »Fruchtziehung«. Der Begriff »Frucht« ist in § 99 BGB bestimmt. Danach sind »Früchte einer Sache … die Erzeugnisse der Sache und die sonstige Ausbeute, welche aus der Sache ihrer Bestimmung gemäß gewonnen wird.«

Das bedeutet z.B., dass Bäume zwar im Wald »Früchte« sind, im Kleingarten allerdings nicht dazu zählen. Früchte im Kleingarten sind lediglich die Erzeugnisse, die den Zweigen des Gartenbaus (s.o.) entsprechen. Bei den Obst- und Gemüsearten ist dazu keinerlei Ergänzung notwendig.

Einiger Bemerkungen bedarf es allerdings im Zierpflanzenbereich: Es steht außer Zweifel, dass Sommerblumen, Stauden, Zwiebel- und Knollengewächse zu den Gartenbauerzeugnissen gehören. Einmal, weil sie zweifelsfrei gärtnerische Kulturen sind und andererseits ihre »Früchte« – die Blüten – der Bestimmung des Kleingartens gemäß gewonnen werden.

Etwas differenzierter verhält es sich bei den Ziergehölzen. Im Sinne der »Fruchtziehung« sind zweifellos die Gehölze der gärtnerischen Nutzung zuzuordnen, deren Blütenzweige (getrieben oder natürlich erblüht) sonstigen Blumen ähnlich als Vasenschmuck dienen können. Dazu zählen z.B. Arten bzw. Sorten von Deutzia, Forsythia, Jasminum, Prunus; aber auch solche, deren Fruchtzweige (Rosen, Pyracantha, Malus-Arten/Sorten, Cotoneaster) als Zimmerschmuck verwendbar sind. (Wenn die Schnittrose als Gehölz nicht sonderlich genannt wird, so versteht sich das wohl von selbst.)

Eine Besonderheit könnten jedoch niedrig wachsende Bienennährgehölze wie Berberis-, Calluna-, Spirea-, Symphoricarpos-Arten/ Sorten, Chaenomeles japonica bilden. Diese dienen zwar nur indirekt der Fruchtziehung (Honiggewinnung, Bestäubungsfunktion der Bienen bei Obst und Gemüse), verdienen jedoch durchaus Anerkennung als gärtnerische Nutzpflanzen. Das erscheint um so mehr gerechtfertigt, als der Größe des Kleingartens entsprechend auch Rasenflächen und Biotope dazu gezählt werden können. Die genannten Arten stehen stellvertretend für eine weitere Vielzahl.


4  Heeger, Hdb. des Arznei- und Gewürzpflanzenbaues, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag,
5 L. Mainczyk (Fn 1), § 1 Rn 6a, 7
6 A. Friedrich, Agenda 21 und Kleingärten, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V., internationales Seminar Agenda 21, München 2001.